Ich hatte ein Vorstellungsgespräch bei Coca-Cola Europacific Partners für die Position als Functional Safety Engineer/Manager. Leider war der Prozess aus meiner Sicht enttäuschend und wenig professionell.
Das Gespräch hatte weniger den Charakter eines fachlichen Austauschs als vielmehr den eines Assessment-Centers. Grundsätzlich ist ein strukturiertes Auswahlverfahren natürlich legitim, allerdings wirkte das Format in diesem Fall nicht gut auf eine berufserfahrene Kandidatin zugeschnitten. Ich hatte nicht den Eindruck, dass meine Bewerbungsunterlagen oder mein bisheriger Werdegang im Vorfeld wirklich berücksichtigt wurden.
Zu Beginn sollte ich eine kurze Präsentation über mich, meinen Hintergrund und meine Berufserfahrung halten. Mein beruflicher Hintergrund liegt in der Chemie, im Bereich General Safety Engineering, EHS, Explosionsschutz sowie mehrjähriger praktischer Erfahrung in großen Werksstrukturen. Leider entstand daraus kaum ein echter Dialog. Stattdessen folgten eher standardisierte Aufgaben und Fragen, die teilweise wenig Bezug zur tatsächlichen Realität in einem produzierenden Werk hatten.
Die Gesprächsführung wirkte insgesamt wenig vorbereitet und teilweise unerfahren. Besonders irritierend war, dass der Fokus weniger darauf lag, meine fachliche Erfahrung, Motivation oder Arbeitsweise zu verstehen, sondern eher darauf, mich durch künstliche Assessment-Situationen zu testen. Die Fragen wirkten aus meiner Sicht stark aus einer sehr theoretischen Perspektive gestellt und weniger aus dem Verständnis heraus, wie die Arbeit in einem großen Werk tatsächlich abläuft. Es entstand bei mir der Eindruck, dass hier wenig praktische Werkserfahrung in die Gestaltung des Gesprächs eingeflossen ist.
Dazu gehörten unter anderem spontane Aufgaben auf Zeit, Rollenspiele und die Aufforderung, plötzlich auf Englisch zu sprechen. Für eine Position, bei der internationale Kommunikation ohnehin selbstverständlich ist, wirkte das eher künstlich als sinnvoll. Die Aufgabenstellungen waren aus meiner Sicht überwiegend sehr allgemein gehalten, teilweise werksrealitätsfern und nur oberflächlich auf tatsächliche Situationen in Produktionswerken bezogen.
Auch von den weiteren Gesprächsteilnehmenden hätte ich mir mehr aktive Beteiligung und fachliche Einordnung gewünscht. Insgesamt entstand bei mir der Eindruck, dass das Verfahren nicht darauf ausgelegt war, die tatsächliche Eignung einer erfahrenen EHS-/Safety-Fachkraft zu beurteilen. Stattdessen fühlte es sich eher wie ein generisches Auswahlverfahren für Berufseinsteiger an.
Der Schwierigkeitsgrad war insgesamt durchschnittlich, die Aufgabenstellung jedoch teilweise realitätsfern und aus meiner Sicht wenig geeignet, um die Kompetenzen für eine solche Position sinnvoll zu bewerten. Besonders schade fand ich, dass kaum Interesse an meiner Person, meiner Motivation oder meiner praktischen Erfahrung im Werksumfeld gezeigt wurde.
Auch die Rolle selbst wirkte auf mich nach dem Gespräch weniger wie eine operativ und fachlich tief eingebundene Safety-Funktion, sondern eher wie eine übergeordnete Vorschriften- und Ausrollrolle. Mein Eindruck war, dass es vor allem darum geht, HOP-Kultur, Vorgaben und Programme standortübergreifend in verschiedene Werke zu tragen. Grundsätzlich kann eine solche Rolle sinnvoll sein, allerdings fehlte mir im Gespräch der Bezug dazu, wie solche Vorgaben realistisch, pragmatisch und wirksam in den jeweiligen Werken umgesetzt werden sollen. Gerade im Safety-Bereich ist es aus meiner Sicht entscheidend, die tatsächlichen Bedingungen vor Ort zu verstehen und nicht nur Konzepte oder Programme zentral auszurollen.
Wenn ein Gespräch eine erfahrene Kandidatin so irritiert, dass sie irgendwann innerlich aussteigt, ist das aus meiner Sicht auch ein Signal über die Gesprächskultur. Besonders bei Safety-Rollen sollte man eigentlich genau wissen wollen, wie jemand denkt, priorisiert, kommuniziert und in echten Werkskonflikten handelt. Stattdessen lag der Schwerpunkt hier auf künstlichen Assessment-Situationen, Zeitdruck und generischen Aufgaben, die meiner Meinung nach nur begrenzt zeigen, ob jemand für eine solche Rolle fachlich und praktisch geeignet ist.
Mein Fazit: Fachlich wäre die Position grundsätzlich interessant gewesen, der Auswahlprozess hat bei mir jedoch einen sehr negativen Eindruck hinterlassen. Ich hätte mir ein professionelleres, besser vorbereitetes und stärker praxisbezogenes Gespräch gewünscht, insbesondere ein Gespräch auf Augenhöhe, mit echtem fachlichen Austausch und erkennbarem Interesse an praktischer Erfahrung im Werksumfeld.